Migrations- und Flüchtlingsarbeit

Im Frühsommer 2015 hat der Landkreis Aurich vor dem Hintergrund der zunehmenden Zuwanderung von Flüchtlingen die Abteilung „Migration und Teilhabe“ installiert, die unter Federführung des Ordnungsamtes die Kompetenzen mehrerer Ämter bündelt (Sozialamt, Ausländerbehörde, Jobcenter, Volkshochschulen, Amt für Kinder, Jugend und Familien). In diesem Zusammenhang wurde die Volkshochschule Aurich- Norden beauftragt, ein Konzept zur Integration von in den Landkreis zugewiesenen Flüchtlingen im Asylverfahren und mit Bleibeperspektive aufzulegen. Dieses ist dann in der Abteilung und wenig später im neu eingerichteten Ausschuss Migration und Teilhabe vorgestellt und seitdem laufend weiterentwickelt worden. Die Integrationsarbeit umfasst heute neben einem umfassenden Angebot an Sprach- und Integrationskursen die Bereiche der soziokulturellen und beruflichen Integration.

Integrationszentrum Aurich

Seit Sommer 2016 betreibt die KVHS Aurich-Norden am Standort Aurich das an der Möbelhalle gelegene Integrationszentrum mit Unterkünften für bis zu 70 alleinstehende Männer mit Flucht- bzw. Migrationshintergrund. Angesichts des hohen Unterbringungsbedarfs tragen die Unterkünfte dazu bei, den Druck auf den Wohnungsmarkt zu lindern und bieten gleichzeitig einen Ausgangspunkt für Erstorientierung und Unterstützung im Alltag und der gesundheitlichen Versorgung, Vermittlung in Freizeitangebote, interkulturelle Begegnungen, Grundbildung sowie berufliche, soziale und kulturelle Integration. Unter Einbindung eines flankierenden Systems aus Ehrenamtlichen, Beratungsstellen, Netzwerken und den Institutionen des Landkreises wird die soziale Betreuung sichergestellt, zu der u.a. Hilfen bei der Verarbeitung der Folgen von Flucht und Vertreibung oder des persönlichen Schicksals, einzelfallbezogene Kriseninterventionen, Unterstützungen beim Zugang zur gesundheitlichen Versorgung, Erleichterung der Teilhabe am soziokulturellen Leben, Orientierungsinformationen zum Ablauf des Asylverfahrens sowie die Gestaltung des Zusammenlebens in den Unterkünften zählen. Eine weitere Hauptaufgabe der Einrichtung besteht in der Vermittlung von Alltagskompetenzen, um die Bewohner auf ein eigenständiges und eigenverantwortliches Leben in der Alltags- und Arbeitswelt Deutschlands vorzubereiten. Diesbezüglich werden grundlegende gesellschaftliche Werte und Normen, kulturelle und alltagsrelevante Vereinbarungen sowie Informationen zum sozialen und rechtsstaatlichen System Deutschlands vermittelt. Für die Bewohner des Integrationszentrums, welche vor Ort lernen Verantwortung für sich selbst, die Gemeinschaft und das unmittelbare soziale Umfeld zu übernehmen, besteht häufig ein hoher Förderbedarf. Durch die direkte Anbindung an die Integrationsbegleitung vor Ort werden sie in Sprachkurse, Schulen, Berufspraktika, Ausbildung, Qualifizierung oder Arbeitsgelegenheiten vermittelt. Die Nähe zu den betriebseigenen Einrichtungen im gewerblich-technischen und gastronomischen Bereich bietet zudem eine Vielzahl an Möglichkeiten der für den Arbeitsmarkt passgenauen Qualifizierung.

Integrationsassistenz

Möglichst mit dem ersten Wohnungsbezug durch im Landkreis verteilt untergebrachte Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund, ansonsten wenig später, nehmen die Mitarbeiter*innen des Teams der Integrationsassistenz Kontakt auf, um die neu Hinzugezogenen in ersten Orientierungsfragen des Alltags, zu Wohngewohnheiten in Deutschland, zu weiterhelfenden Anlaufstellen in der Umgebung, zur DRK-Migrationsberatung, zu Fragen um Schule und Kindergarten usw. zu informieren und zu beraten. Zugleich verschafft sich die Integrationsassistenz durch ein Erstclearing einen Überblick über die beruflichen Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten, dem im zweiten Schritt eine Entwicklung der persönlichen beruflichen Integration anknüpft. Das Clearing bildet die Basis für spätere Entscheidungen zur Teilnahme an Sprachkursen, Orientierungsmaßnahmen, Praktika, AGH-Plätzen u.a. und zur Fortsetzung der Begleitung an den Schnittstellen SGB XII, II, III und VIII. Die Arbeit der Integrationsassistenz erfolgt dabei im engen Austausch mit den Fachämtern des Landkreises Aurich.

Integration in Beruf und Beschäftigung

Viele der vorhandenen Instrumente zur Integration von jungen Menschen und Erwachsenen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sind durch Bundesrecht geregelt. Trotz einiger Lockerungen beim Arbeitsmarktzugang für Asylbewerber+innen in 2015 sind die Verfahren und Anforderungen zwischen dem unmittelbaren Wunsch der Flüchtlinge nach Qualifizierung, Beschäftigung und Einkommen, ihren auf mittlere Sicht noch wenig ausgeprägten Deutschkompetenzen und dem Fachkräftemangel von Unternehmen weiterhin sehr komplex und schwierig zu vermitteln.

Trotz einiger Lockerungen beim Arbeitsmarktzugang für Asylbewerber*innen in 2015 sind die Verfahren und Herausforderungen bezüglich des Wunsch der Flüchtlinge nach Qualifizierung, Beschäftigung und Einkommen, ihren auf mittlere Sicht noch wenig ausgeprägten Deutschkompetenzen und dem Fachkräftemangel von Unternehmen weiterhin sehr komplex und schwierig zu vermitteln. Im Auftrag des Jobcenters des Landkreises Aurich führt die KVHS Aurich-Norden zwei Orientierungs- und Aktivierungsmaßnahmen speziell für Migranten und Migrantinnen durch: MuT (Migration und Teilhabe) und IdA (Integration durch Arbeit).

für diejenigen, die bereits einen Integrationskurs absolviert haben nach dem B1-Deutschkurs und als vertieften Ansatz nach bereits erfolgten ersten Arbeitsmarkterfahrungen IdA (Integration durch Arbeit). Beide Projekte unterstützen die Kunden darin, berufsbezogene Sprachkenntnisse zu erwerben, vorhandene Kompetenzen zu reaktivieren sowie persönliche Barrieren zu identifizieren und abzubauen, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

MuT (Migration und Teilhabe):

Das MuT-Projekt richtet sich an erwachsene Menschen mit Migrationshintergrund und dauerhafter Bleibeperspektive, die Leistungen nach dem SGB II erhalten und aufgrund ihres Status eine Arbeitserlaubnis haben/erhalten können. In einem Zeitraum von 80 Präsenstagen werden je nach Bedarf berufsbezogene Sprachkenntnisse und EDV-Grundlagen vermittelt, Kompetenzfeststellungen durchgeführt, das Bewerbungsmanagement optimiert sowie das Bewerbungsprofil mit dem lokalen Stellenangebot abgeglichen. Die Vermittlung in Arbeit und Ausbildung steht hier im Vordergrund.

IdA (Integration durch Arbeit):

Das IdA-Projekt ist für anerkannte Flüchtlinge aus dem arabisch sprechenden Raum im Alter zwischen 25 bis 49 Jahren konzipiert, die Leistungen nach dem SGB II beziehen und in den letzten Jahren an Maßnahmen zur kulturellen, sprachlichen und beruflichen Integration teilgenommen haben, aber noch nicht langfristig auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten. Häufig spielen dabei multiple familiäre, gesundheitliche oder andere individuelle Hemm- und Hindernisse eine Rolle, die eine Berufsaufnahme in Deutschland teilweise erheblich erschweren. Ziel des dreimonatigen Projektes ist es, die Ressourcen der Teilnehmenden zu aktivieren und beim Erkennen und Abbauen der persönlichen Hürden zu unterstützen und in den Arbeitsmarkt zu begleiten.


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