Politisches Speeddating für JugendlicheEin Projektbericht.

Viele Jugendliche erleben häufig, dass Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden. Darum hat diese Veranstaltung Jugendliche in Maßnahmen der Jugendberufshilfe und Bundestagskandidierende auf Augenhöhe ins Gespräch kommen lassen.

An der KVHS in Aurich kamen Politiker*innen mit Teilnehmenden der Jugendberufshilfe im Format eines Speeddatings zusammen. Die Teilnehmenden fanden das Gespräch mit Bundestagskandierenden der Region über ihre eigenen Anliegen. Dabei kamen vor allem folgende Themen zur Sprache: Mobilität in Ostfriesland, ihre Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, aber auch fehlende Freizeitmöglichkeiten oder der Umgang mit den Corona-Beschränkungen.

Ablauf

Wichtig für ein gelungenes Speeddating ist eine gute Vorbereitung. Dabei sollten die Jugendlichen eigene Fragen entwickeln über Themen, die sie selbst interessieren und die sie den Politiker*innen stellen würden. Dafür mussten sie reflektieren, wo Politik sie persönlich betrifft und wo ihre Interessen liegen.

Mit den vorbereiteten Fragen starteten die Teilnehmenden ins Speeddating. Es waren die Bundestagskandidierenden von CDU, SPD, FDP und den Linken sowie die Kreisvorsitzende der Grünen anwesend. Für sie wurden auf einer Wiese Stehtische bereitgestellt. Die Teilnehmenden fanden sich nun in neuen Gruppen von 3-4 Personen zusammen und stellten ihre Fragen jeweils einem oder einer Politiker*in. Nach 15 Minuten erfolgte jeweils ein Wechsel, bis alle Teilnehmenden die Möglichkeit hatten, mit allen Politiker*innen zu sprechen. Die vorbereiteten Fragen dienten dabei als Roter Faden.

Für die Nachbereitung kamen die Teilnehmenden wieder in den ursprünglichen Gruppen zusammen. Die vielen Eindrücke des Speeddatings wurden durch Reflexionsgespräche verarbeitet. Die Antworten der Politiker*innen wurden diskutiert und die Teilnehmenden dazu ermutigt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Wichtig war es, dass ihnen auch anknüpfende Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt wurden, etwa zur Wahl zu gehen, Bürgerbriefe zu schreiben oder sich lokal zu engagieren. Zum Abschluss gab es ein Reflexionsgespräch über die Veranstaltung. Häufige Rückmeldung der Teilnehmenden war, dass ihnen die Veranstaltung gut gefallen hat, aber die Vorbereitung noch umfangreicher hätte ausfallen können.

Ziele und Schwerpunkte

Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag darauf, den Teilnehmenden Politik (wortwörtlich) näher zu bringen. Sie mussten sich damit beschäftigen, wo Politik sie in ihrem Alltag betrifft, etwa bei der Suche nach einer Ausbildung oder wenn sie versuchen, im ländlichen Raum mobil zu sein. Viele der Teilnehmenden haben sich noch nie mit Politik beschäftigt und nur wenige Vorkenntnisse. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass sie keine Meinung darüber haben, was in ihrem direkten Umfeld vor sich geht. In der Vorbereitung ging es darum, den Zusammenhang zwischen Politik und ihrem direkten Umfeld herzustellen.

Im zweiten Schritt ging es darum, Nähe zwischen den Teilnehmenden und denjenigen herzustellen, die politische Entscheidungen treffen. Die Teilnehmenden haben in ihrem Leben häufig Situationen erlebt, in denen über ihre Köpfe hinweg entschieden wurde. Beim Speeddating ging es auch darum, ihnen zu zeigen, dass es ihr Recht ist, von Politiker*innen Auskunft zu erhalten und ihnen ihre eigene Meinung mit auf den Weg zu geben. Deshalb war es auch wichtig, während der Nachbereitung auf weitere Einbringungsmöglichkeiten einzugehen. Die Mehrheit der Teilnehmenden hat im Anschluss an das Speeddating angegeben, im September zur Wahl zu gehen.

Nicht zuletzt war ein Ziel, dass sich Politiker*innen mit Jugendlichen auseinandersetzen mussten, die sie sonst nicht treffen würden. Die Teilnehmenden haben wichtige Anliegen und Interessen, insbesondere was die Situation von Jugendlichen im ländlichen Raum angeht, die sonst selten vor Politiker*innen vertreten werden. Das zeigen auch die Rückmeldungen der Politiker*innen.

Erfahrungen und Ergebnisse

Das Speeddating ist insgesamt sehr gut verlaufen und wird für die Landtagswahlen im nächsten Jahr erneut geplant. Es wurde allerdings eine längere Vorbereitungszeit gewünscht. In dieser sollten auch Biografien und Kompetenzen der Poltiker*innen zur Sprache kommen. Zu unserem Speeddating kamen aufgrund der anstehenden Bundestagswahl die Bundestagskandidierenden. Die Teilnehmenden hatten aber vorwiegend Fragen zur Lokalpolitik und waren enttäuscht, wenn sie hörten, dass die Politiker*innen dafür nicht zuständig seien.

Ergebnisse für die Teilnehmenden gab es in zwei Richtungen: Auf der einen Seite haben sie methodische Kompetenzen erlangt: Sie haben sich politische Meinungen bilden können und Politiker*innen als nahbare Menschen kennengelernt, mit denen man ein Gespräch führen kann. Auf der anderen Seite gibt es auch inhaltliche Ergebnisse: Die Teilnehmenden konnte ihre eigenen Anliegen an Politiker*innen aus der Region weitergeben und so ihre Interessen vertreten.

Im Verlauf der Veranstaltung konnte die Erfahrung gemacht werden, dass auch Teilnehmende, die anfangs eher zögerlich sind, gerne über Politik diskutieren. Wichtig ist dafür, dass sie und ihre Ansichten ernst genommen werden. Es hilft, wenn man ihnen die Rückmeldung gibt, dass ihre Probleme echt und wichtig sind. Es konnte auch festgestellt werden, dass die Teilnehmenden gut unterscheiden konnten zwischen persönlicher Sympathie und ihrer Haltung zu den Vorschlägen der Politiker*innen.

Die meisten Teilnehmenden hatten auch vor der Veranstaltung vor, wählen zu gehen. Für sie konnte die Veranstaltung politische Orientierung bieten. Einige Teilnehmende haben nach wie vor kein Interesse daran wählen zu gehen. Es gab aber auch von einzelnen die Rückmeldung, dass sie sich durch die Veranstaltung dazu entschieden haben, zu wählen. Für sie hat die Veranstaltung einen Zugang zur Politik geboten.


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